Von der One-Woman-Show zum Medienverlag: Erfolgsverlegerin Barbara Mucha im Karriere-Gespräch
Anita Arneitz am 6. September 2011Wie viele Kärntnerinnen gingen auch Sie nach Wien, um zu studieren. Doch statt Meeresbiologin sind Sie heute erfolgreiche Medienverlegerin. Wie kam es dazu?
Mucha: Meine Geschäftsidee begann mit einem schwarzen Pulli. Bei einem negativen Einkaufserlebnis ist mir klar geworden, dass schlechtes Service und Unfreundlichkeit der Verkäuferinnen viele Konsumenten bewegen. Gemeinsam mit Top-Managern entwickelten wir Testkriterien für gutes Service und veröffentlichten 1991 die erste Ausgabe der „Mucha“, die ein Riesenerfolg wurde. Zuerst war ich das Feinbild für den Handel, weil ich nur dem Konsumenten verpflichtet bin. Mittlerweile stehen die Unternehmen hinter der Mucha und schätzen unsere Tests.
Es blieb aber nicht bei der einen Geschäftsidee…
Mucha: Als ich mit meinem ersten Kind schwanger wurde, entdeckte ich eine weitere Marktlücke – das Familiensegment. Damals gab es noch 90.000 Geburten pro Jahr und das war eine interessante Zielgruppe für die Werbung. Noch mit dickem Bauch stellte ich das Werbebudget für den ersten „Baby Express“ auf. Mit dem Gynäkologen-Test wurde das Magazin schlagartig bekannt. Es folgten die „Signora“, das „Shopping Street Journal“ und das jüngste Kind in der Medienfamilie ist die „Austria Business Woman“.
Wie kommt man auf neue Geschäftsideen?
Mucha: Erfolg kann man nicht erzwingen, aber man kann überlegen welche Dinge Zukunft haben. Der Zeitgeist geht wieder „zurück zu den Wurzeln“. Warum boomt Wellness? Weil wir in einer übersättigten Gesellschaft leben und es nichts Neues gibt. Wir suchen nach Identität und Lösungen, um uns wieder selbst zu spüren. Das alte Biedermeier wird zurückkommen. Und damit wird jede Art von Qualität gewinnen, nicht nur in den Medien.
Wie schafft man es über so lange Zeit erfolgreich zu sein?
Mucha: Entscheidend für den Erfolg ist die Idee und Vision. Ich habe immer an meine Ideen geglaubt und dafür gekämpft. Es war auch ein wenig Glück dabei. Das Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Ein wichtiger Faktor ist auch der Verkauf. Ich habe immer versucht ein Projekt von der ersten Minute an zu finanzieren. Als ich mit 22 angefangen habe, hatte ich viele Kritiker. Aber der nachhaltige Erfolg gibt mir Recht. Mittlerweile habe ich 35 angestellte Mitarbeiter und rund 100 Freelancer.
Bereuen Sie den Schritt in die Selbständigkeit?
Mucha: Nein, die Arbeit ist meine zweite Heimat. Natürlich ist es manchmal eine immense Kraftanstrengung, aber da muss man durch. Heute bin ich stolz darauf, dass der Verlag noch immer zu 100 Prozent mir gehört. Ein großer Vorteil der Selbständigkeit ist die freie Zeiteinteilung. Diese Freiheit möchte ich nie aufgeben – auch wenn ich eine große Verantwortung für meine Mitarbeiter und meine beiden Kinder habe.
Fördern Sie andere Frauen bewusst?
Mucha: Ja, ich habe selbst zwei Mentees. Generell sind Frauen ehrlicher und haben eine bessere Selbstreflexion. Dennoch haben sie Aufholbedarf und stehen sich oft selbst im Weg. Ein Netzwerk funktioniert nur, wenn die Augenhöhe stimmt – und wir Frauen müssen erst lernen Schwestern zu sein.

