Astrid Lindgren, Christine Nöstlinger oder Joanne Rowling – sie haben sich bereits in die Herzen der Kinder geschrieben. Herma Altziebler, Helga Duffek, Gerhild Gonzalez Guerrero, Katja Laußegger und Ulrike Motschiunig sind auf dem besten Weg dorthin: Sie alle haben ein Kinderbuch geschrieben und geben uns einen Einblick in das Schaffen von spannenden Geschichten, die kleine Augen zum Leuchten bringen können.
Die Idee
Ihr erstes Gedicht hat Helga Duffek bereits mit sechs oder sieben Jahren verfasst. Sie ist mit Kinderliedern, Kinderreimen, Operntexten, Parodien, Wilhelm Busch und vielen Büchern aufgewachsen. Laußegger schrieb und zeichnete lediglich aus Spaß. „In meinem Abschlusspraktikum im Kindergarten kam ich auf die Idee, den Inhalt meiner Geschichte mit den Kindern als Theaterstück zu erarbeiten. Ich stellte Kostüme her und studierte mit den Kindern Texte, Tänze und Lieder ein. Am Ende des Praktikums gab es eine Aufführung.“ Auf Grund der positiven Rückmeldungen veröffentlichte Laußegger die Geschichte als Buch. Gonzalez Guerrero kam durch eine magische Eingebung auf ihren Fantasystoff: „Als mir eines Novemberabends die Bücher ausgingen und ein langes, langweiliges Wochenende vor mir lag, dachte ich, wie gerne ich jetzt ein Fantasybuch lesen würde – und dabei fiel mir plötzlich der Anfang von Abenteuer in Engoldan ein“, erinnert sich Gonzalez Guerrero. „Ich begann die Geschichte, die ich mit einem Mal so real vor mir sah wie einen Film, aufzuschreiben und immer wenn ich ein Kapitel beendet hatte, fiel mir das nächste Kapitel ein – ich schrieb wo immer ich Gelegenheit dazu hatte: in der Straßenbahn, im Zug, beim Zahnarzt. Es war, als hätte die Geschichte schon jahrelang darauf gewartet geschrieben zu werden.“
Das Schreiben
Das Schreiben selbst macht allen Autorinnen Spaß, obwohl auch harte Arbeit dahinter steckt: „Ich achte beim Schreiben auf Verständlichkeit, womöglich auf Kürze, wenn nötig, auf Redundanz, und vor allem auf Wortwitz, Spannung und Klarheit. Vielleicht sollte jeder Schreiber sich selbst als Adressat sehen, unter dem Motto: Interessiert mich das Geschreibsel auch selbst?“, gibt Duffek zu bedenken. Doch das Wichtigste beim Schreiben für Kinder ist, in ihrer Sprache und aus ihrer Perspektive zu schreiben – und das ist die große Herausforderung für Erwachsene „Ich denke, man kann für Kinder über fast alles schreiben. Mir gefällt, dass Kinder so kritisch sind. Während man sich als Erwachsener vielleicht auch durch einen Text, der weniger entspricht, „hindurchquält“, legt ein Kind das Buch, das nicht entspricht einfach weg“, sagt Motschiunig.
Die Verlagssuche
Glück und gute Vorbereitung spielt bei der Verlagssuche eine große Rolle. Motschiunig holte sich genaue Informationen über Verlage und deren Programme ein. „Dann habe ich gezielt drei Verlage angeschrieben. Während ich von einem eine Absage bekam, äußerten die anderen beiden Interesse. Zugesagt hat letztendlich der G & G Kinderbuchverlag, wo ich als junge Autorin sehr herzlich aufgenommen wurde“, erzählt Motschiunig und ergänzt: „Als ich vor etwa vierzehn Tagen mein Buch zum ersten Mal in Händen hielt, hatte ich ein überraschend vertrautes Gefühl, so, als wäre das Buch schon immer da gewesen. Natürlich waren da auch ein wenig Stolz und die große Freude, es geschafft zu haben.“ Altziebler hat hingegen das Buch mit Illustrationen von Elke Moser im Eigenverlag heraus gebracht. „Es war eine Herzenssache, nicht einen Gedichtband, sondern ein Kinderbuch zu veröffentlichen“, sagt Altziebler.
Die Promotion
„Lesungen halte ich vor allem bei meinem Oeuvre für sehr, sehr wichtig – ich schreibe viel Autobiografisches, Zeitgeschichtliches, ob nun in Reimen oder in Prosa – da ist der Kontakt zum Publikum immens wichtig“, sagt Duffek. Laußegger hat ihr Buch über den K-Verlag, kurz nach ihren 19. Geburtstag veröffentlichen lassen. „Mir ist es wichtig, mein Buch der Öffentlichkeit zu präsentieren und nutze dazu gerne jede Gelegenheit, die sich bietet. In Kindergärten, in denen ich im Sommer praktizieren durfte, stellte ich sowohl den Kindern als auch den Eltern mein Buch vor.“
Die Zukunft
Viele, die einmal ein Buch schreiben, werden süchtig und haben bereits weitere Ideen in der Schublade, sowie unsere Kinderbuchautorinnen. Sie arbeiten bereits an neuen Werken, freuen wir uns Neues aus der Feder der Kärntner Schreiberinnen. Tipp: Das Studio für Schreibkultur veranstaltet im Juli und August kreative Workshops zum Schreiben von Kindergeschichten. Infos: www.anitaarneitz.at
Die Autorinnen
Herma Altziebler wurde 1940, lebt in Feldkirchen und hat nach dem Eintritt in den (Un)Ruhestand 1997 Zeit gefunden, ihre Liebe zum Schreiben neu zu entdecken. Dass ihr Erstlingswerk ausgerechnet ein Kinderbuch und kein Gedichtband wurde, verdankt die begeisterte Oma der Liebe zu ihren beiden Enkelkindern.
Helga Duffek wurde 1935 in Graz geboren und wuchs in Krumpendorf auf, wo sie noch immer lebt. Seit sie denken kann, reimt und dichtet sie. Doch erst nach ihrer Pensionierung nahm sie sich Zeit, sich um ihre Prosa zu kümmern. www.helgaduffek.at
Gerhild Gonzalez Guerrero wurde 1972 in Klagenfurt geboren und studierte in Wien Biologie und Ökologie. Ihren ersten Roman schrieb sie mit 14. Abenteuerlustig ging sie nach dem Studium für eine Zeit nach Costa Rica. Zurück in Kärnten schrieb sie als Co-Autorin zwei Natur- und Kulturführer. www.engoldan.org
Katja Laußegger wurde 1990 geboren und lebt in Feistritz im Rosental. Zurzeit macht sie die Ausbildung zur ADHS-Therapeutin und studiert an der Uni Klagenfurt. Mit ihrem Buch hat sie beim „internationalen Kinder- und Jugendbuchwettbewerb von Schwanenstadt“ den 2. Platz gewonnen.
Ulrike Motschiunig wurde 1965 in Ried im Innkreis geboren. Nach dem Abschluss der Handelsakademie schrieb sie lustige, spannende und tiefgründige Texte. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder begann sie sich auf das Schreiben von Kinder- und Jugendliteratur zu konzentrieren. www.kinderbuchmitherz.at
Die Kinderbücher
Herma Altziebler, Elke Moser
Die unzufriedene Taube
Ein Kinderbuch in Reimen, das liebevoll die Erlebnisse einer weißen Taube erzählt, die unbedingt aussehen möchte wie ihre bunten Artgenossen. Dazu hat sie einen besonderen Einfall, der sich aber vielmehr als „Reinfall“ entpuppt. Gott sei Dank wendet sich alles doch noch zum Guten.
Gerhild Gonzalez Guerrero
Abenteuer in Engoldan – Im Bann des Magiers
LEEB:ENSZEICHEN-VERLAG
ISBN 978-3-9502379-7-9
ISBN 978-3-9502379-6-2
Durch den Zauber eines geheimnisvollen Ringes wird Linda in das magische Land Engoldan versetzt. Dort hat der Namenlose Magier das kristallene Herz des Landes gestohlen, ohne das die Erdenergien außer Kontrolle geraten. Engoldans Natur beginnt zu sterben. Gemäß einer uralten Prophezeiung kann nur Linda den Kristall wieder finden.
Katja Laußegger
Haustier gesucht
K-Verlag
ISBN Nummer 9789 8539 12883
Charly wünscht sich nichts sehnlicher als ein Haustier zum Spielen. Er macht sich auf die Suche, doch keines der Tiere will sein Haustier werden – bis er letztendlich die rettende Idee für sein Problem hat. Erhältlich bei Thalia und in der „Kärntner Buchhandlung“.
Ulrike Motschiunig
Glück geucht!
ISBN 978-3-7074-1166-9
G & G Kinderbuchverlag
Ein kleiner Fuchs macht sich auf die Suche nach dem Glück. Auf seiner abenteuerlichen Reise trifft er die Tiere im Wald, die ihm ihr unterschiedliches Wissen über den Begriff Glück schenken. Der kleine Fuchs jedoch, sucht ein ganz besonderes Glück: Das für seine Mama. Und das scheint ziemlich gut versteckt zu sein. Letztendlich findet er es doch an einem Ort, an dem er es gar nicht vermutet hätte!
Tipps fürs Schreiben von Kinderbüchern
Gerhild Gonzalez Guerrero: Ein Thema wählen, das einem richtig am Herzen liegt, in das man förmlich hineingezogen wird und dann einfach drauf los schreiben und den inneren Kritiker abschalten. Am Anfang nicht nach Perfektion streben, sondern einfach die Ideen zu Papier bringen. Man sollte sich keinesfalls davon abhalten lassen ein Buch zu schreiben, nur weil einem über den Anfang hinaus noch nichts eingefallen ist: Beim Schreiben kommen die Ideen dann ganz von selbst. www.engoldan.org
Ulrike Motschiunig: So viel wie möglich experimentieren und in sich hinein zu hören, um die eigene Stimme zu finden. Hilfreich finde ich freiwillige Testleser, die gewillt sind, Kritik zu äußern. Allerdings sollten diese nicht aus dem Familien- oder Freundeskreis kommen – denn dort fehlt oft die notwendige Objektivität. Der für mich wichtigste Tipp wäre, den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren, auch wenn Manuskripte abgelehnt werden – was schließlich die unterschiedlichsten Ursachen haben kann.
Katja Laußegger: Ich finde es wichtig Themen zu wählen, die die Kinder interessieren und die sie beschäftigen, denn so haben sie einen persönlichen Bezug zum Buch und können sie sich in die Geschichte viel besser hineinversetzen und sich mit den Figuren identifizieren. Natürlich spielt eine leicht verständliche und Kind gerechte Sprache dabei eine große Rolle. Des Weiteren hat auch die Illustration eine große Bedeutsamkeit. Schließlich sagen Bilder mehr als tausend Worte. Daher war es mir bei der Illustration besonders wichtig, die Bilder möglichst klar und deutlich zu gestalten, was gerade für junge Kinder wichtig ist. Viele Kinder haben nach dem Lesen das Bedürfnis, sich das entsprechende Buch noch einmal selbst ansehen zu dürfen, denn so verarbeiten sie das Gehörte und Gesehene leichter. Genau in diesem Moment erhalten die Illustrationen ihre Bedeutsamkeit.
Helga Duffek: Schreiben – schreiben – schreiben – lesen – lesen – lesen – weglegen – noch einmal lesen – Kritik annehmen – selbst kritisch sein und sich an die IG Autoren- Autorinnen wenden, wie Johanna König im Musilhaus!
Herma Altziebler: Ein Kinderbuch sollte, dem jeweiligen Alter entsprechend, in einer leicht verständlichen Sprache und Form zum Ausdruck kommen. Ein Kinderbuch zu schreiben ist für mich eine reine Einfühlung, wobei ich den Text aus dem Innersten meines Herzens heraus fließen lasse und gleichzeitig ein kleines Stückchen meiner eigenen Kindheit mit hinein verpacke.