Schöne bunte Medienwelt
Anita Arneitz am 26. März 2011Was macht mein Kind im Medien-Dschungel? Computerspielen, Fernsehen, SMS schreiben, Chatten, E-Mailen? U-Tube und Facebook als Ersatz für echte Freunde? Sind unsere Kinder in Gefahr, machen die Medien und neuen Errungenschaften der Technik sie süchtig oder verstehen wir nur ihre Welt nicht mehr? Fragen über Fragen – und erstmals gibt es konkrete Antworten und Hilfe für den Umgang mit Medien.
Wie ist die Idee entstanden das Buch „Schöne bunte Medienwelt“ zu schreiben?
Bettina Pirker: Wir arbeiten sowohl wissenschaftlich als auch praktisch lange in der Medienpädagogik. Vor allem in unseren Kindermediencamps haben wir gemerkt, dass viele Eltern in der rasant entwickelnden medialen Welt den Überblick verlieren. Sie haben keine Ahnung mehr, wie ihr Nachwuchs kommuniziert und erfahren nur über Zeitungsberichte, welcher Missbrauch oft getrieben wird. Nicht zu wissen, womit sich die Kinder eigentlich beschäftigen, schürt Unbehagen und führt zu Missverständnissen sowie Streit in der Familie.
Caroline Weberhofer: Mit ein bisschen Unterstützung und Tipps ist es aber leicht, den richtigen Umgang mit den Medien zu lernen. Ich bin selbst Mutter und jeden Tag mit dieser Herausforderung konfrontiert. Unsere Erfahrungen haben wir im Buch weitergeben.
Warum sollen Eltern und Kindern lernen, mit Medien kritisch umzugehen?
Bettina Pirker: Medien sind nicht böse. Sie sind Werkzeuge und gehören zum Alltag. Es bringt weder etwas für noch gegen sie zu sein. Wir müssen versuchen Medien sinnvoll in unser und das Leben der Kinder zu integrieren. Kinder lernen mit den heutigen Medien anders. Sie holen sich das Wissen, das sie brauchen aus dem Internet und setzen es dann auf ihre Art um. Dabei ist es wichtig, dass wir ihnen den kritischen Umgang mit diesen Informationen beibringen. Sie müssen einschätzen können, welchen Inhalten sie vertrauen können und bei welchen sie vorsichtig sein müssen.
Ist Medienerziehung nicht Aufgabe der Schule?
Caroline Weberhofer: Nein, kann sie gar nicht sein. Für viele Lehrer, die heute unterrichten, waren Medien in ihrer Ausbildung kein Thema. Und auch die Junglehrer werden heute noch immer viel zu wenig darauf vorbereitet. Auch wir als Eltern müssen erst ein Bewusstsein dafür entwickeln. Die Vorbildwirkung von uns wird immens unterschätzt. Kinder übernehmen automatisch das Medienverhalten der Eltern. Rennt das Radio nebenbei, wird in der Familie die Zeitung gelesen, welche Fernsehsendungen werden angesehen? Was das alles bewirkt, ist Eltern nicht bewusst. Mit unserem Buch können Eltern auch das Medienverhalten in der Familie einschätzen.
Im Buch wird auch mit Denkfehlern in der Medienerziehung aufgeräumt. Ein Beispiel?
Bettina Pirker: Ein Denkfehler betrifft Nachrichten und Dokumentationen – sie sind nicht das bessere Fernsehprogramm für Kinder. Im Gegenteil. Kinder arbeiten mit Medien bestimmte Ängste auf. Das tun sie, indem sie einen Film immer und immer wieder ansehen. Diese Kinderfilme gehen immer gut aus, das brauchen Kinder. Nachrichten und Dokumentationen haben kein Happy End. Das macht Kindern große Angst und nur selten sprechen sie darüber.
Für wen ist das Buch?
Caroline Weberhofer: Für alle, die einen Überblick über den Medien-Dschungel ihrer Kinder bekommen möchten. Unser Buch ist der erste Ratgeber, der umfassend und leicht verständlich informiert. Mit Tipps für den Alltag aus dem Alltag – darunter auch welche Spielkonsole gut ist oder wie ein kritischer Medienumgang mit Kindern gemeinsam geübt werden kann.
Zum Buch
Mag. Bettina Pirker und Dr. Caroline Weberhofer sind Publizistinnen und entwickeln neben ihren Lehr- und Forschungsaufträgen im Institut für Kommunikation und angewandte Medienpädagogik (medien.kultur.raum) Konzepte und Weiterbildungsangebote für Kinder und Eltern. Die Medien-Expertinnen leiten Kinder und Jugendprojekte in Kärnten, die es Kindern ermöglichen ihre Medienkompetenz zu trainieren. Gemeinsam mit anderen ExpertInnen haben sie ein Buch geschrieben, indem Eltern erfahren, wie sie mit ihren Kindern auf Augenhöhe bleiben, wie sie ihren Nachwuchs vor Gefahren schützen können und wie richtige Medienerziehung Vorteile für das spätere Berufsleben bringt. Der wertvolle Ratgeber „Schöne bunte Medienwelt“ erscheint im Herbst 2009 und kann bereits jetzt in allen Buchhandlungen vorbestellt werden. Titel: Schöne bunte Medienwelt, Goldegg Verlag, ISBN 978-3-901880-13-1.
PS. Vielleicht sollte ich erwähnen, das ich bei dem Projekt auch meine Finger mit im Spiel hatte: Ich war als Co-Autorin mit dabei, weil mir die Medienpädagogik seit meinem Studium am Herzen liegt…

