Mitreden

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Wie rational entscheiden Ärzte?

Anita Arneitz am 28. Februar 2009

Patienten bringen in der Begegnung mit ihrem Arzt immer auch eigene Vorstellungen von den Ursachen und Folgen ihrer Krankheit mit. Die Wissenschaft nennt diese Vorstellungen Krankheitskonzepte. Bisher wurde davon ausgegangen, dass den laienhaften naiven Konzepten der Patienten die richtigen medizinisch objektiven Konzepte der Ärzte gegenüberstehen. Denn die Medizin ist eine Naturwissenschaft und deren exakte Methoden bilden die Grundlage für rationale Diagnosen und Entscheidungen der Ärzte – soweit das immer noch weit verbreitete Bild über Ärzte in der Öffentlichkeit und bei vielen Ärzten.

Eine Studie der Universitäten Witten/Herdecke, Fulda und Düsseldorf hinterfragt jetzt dieses Bild. In Interviews mit Hausärzten hat Dr. Stefan Wilm, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin und selber Hausarzt, zusammen mit Soziologen, Gesundheitswissenschaftlern und Hausärzten deren Haltungen zu vier Krankheiten erfragt: Kopfschmerzen, Husten, Ulcus cruris (offenes Bein) und Schizophrenie. Die Forschergruppe hat ihre Ergebnisse jetzt in einem Buch veröffentlicht, das zum ersten Mal in der internationalen Diskussion dieses Thema nicht von Patientenseite, sondern aus der Arztsicht erschließt: Werden Hausärzte in ihrem Umgang mit kranken Menschen vorwiegend von ihrem erlernten Fachwissen beeinflusst? Die Forschergruppe konnte zeigen, dass auch bei Hausärzten subjektive Krankheitskonzepte, also emotional, soziokulturell und biografisch geprägte Vorstellungen von Krankheit aktiv und mächtig sind. Bei der Wahrnehmung ihrer Patienten schwingen immer auch krankheitstypische irrationale Vorstellungen mit: Bedrohtwerden durch Husten und Schleim, soziale Abwertung von Menschen mit offenem Bein, Stigmatisierung von Patienten mit Schizophrenie oder altüberlieferte mystische Konzepte von im Kopf den Schmerz auslösenden Übeln.

Diese Krankheitskonzepte der Hausärzte gestalten ihr tägliches Handeln in Diagnostik und Therapie wesentlich mit. Das Verständnis dieser Prozesse muss in das Alltagshandeln der Beteiligten einbezogen werden, will man verhindern, dass Patient und Arzt aneinander vorbeireden.

Simone Kreher, Silke Brockmann, Martin Sielk, Stefan Wilm, Anja Wollny: Hausärztliche Krankheitskonzepte, Verlag Hans Huber, Bern, ISBN 978 – 3 – 456 – 84668 – 2, 34,95€,
http://www.verlag-hanshuber.com/vkat/einzeltitel.php?isbn=978-3-456-84668-2

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Preis für Gesundheitskommunikation

Anita Arneitz am 25. Februar 2009

Der Österreichische Kommunikationspreis 2009 der Österreichischen Akademie für Präventivmedizin und Gesundheitskommunikation (ÖAPG) wird heuer erstmals am 23. April 2009 für innovative & vorbildliche Gesundheitskommunikation im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung in Österreich vergeben. Die Einreichfrist endet am 30. März 2009. Eingereicht werden können Aufklärungs- und Informationskampagnen oder Projekte, die maßgeblich zur Prävention und Gesundheitsförderung beigetragen haben.

Der Kommunikationspreis 2009  ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert. Mehr auf www.oeapg.at.

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Online Emotions- Radar – Erkennen, was Kunden bewegt

Anita Arneitz am 22. Februar 2009

Studien zeigen, dass Emotionen eine wichtige Rolle im Entscheidungsprozess des Konsumenten spielen. Im Internet lassen sich z.B. in Online-Foren zahlreiche emotionale Aussagen von Kunden zu Unternehmen, Produkten und Leistungen finden. Das »Online Emotions-Radar« bietet nun die Möglichkeit, die emotionale Stimmung zu Marken und Produkten mit Hilfe statistischer Analyseverfahren zu bestimmen. Gemeinsam mit der Firma BrandPolicy, Montabaur, stellt das Fraunhofer IAIS das »Online Emotions-Radar« in Hannover auf der CeBIT vor.

 

Auf der CeBIT wird exemplarisch eine mit dem Emotions-Radar durchgeführte Analyse zur Automobilbranche vorgestellt. Hierzu wurde aus ca. 1 Million deutschsprachiger Online-Beiträge zu bekannten Autoherstellern die Emotionalität zu deren Marken und Produkten ausgewertet. Ein typischer Einsatzzweck des Online Emotions-Radars wird die Analyse zur Kundenzufriedenheit und Markenwahrnehmung sein.

»Computern beizubringen, emotionale Texte als solche zu klassifizieren, war eine spannende Herausforderung für unsere Forscher«, erklärt Dr. Melanie Gnasa, Leiterin der Arbeitsgruppe Text Mining am Fraunhofer IAIS. »Glücklicherweise hatten wir mit Frau Dr. Merkt von der Firma BrandPolicy eine ausgewiesene Expertin in diesem Feld mit an Bord. So konnten wir genügend Trainingsmaterial für unsere maschinellen Klassifikationsverfahren sammeln«.

 

Mit Hilfe des Online Emotions-Radars ist es möglich, verschiedene Anbieter anhand von 20 Emotionsarten wie beispielsweise Ärger, Freude, Sympathie, Ablehnung, Genuss miteinander zu vergleichen. Das Emotions-Radar berechnet unter Einsatz semantischer Analyse-Verfahren, welche Aspekte in den Online-Beiträgen ›besonders emotional‹ diskutiert werden.

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Wie wird sich die Arbeitswelt bis 2030 verändern?

Anita Arneitz am 9. Februar 2009

Welche Einstellungen zu Jobs, Karriere und Einkommen zeichnen sich in Zukunft ab? Wie verändern neue Technologien und grenzenlose Kommunikation Arbeitsplätze? Was müssen Unternehmen in der Personalentwicklung ändern? Professoren der Betriebs- und Arbeitswissenschaften, der Informatik und Soziologie der Technischen Universität Darmstadt und der Psychologie der Universität Mainz wollten das Thema nicht selbsternannten Zukunftsforschern überlassen und sind im Rahmen der Großstudie “Zukunft der Arbeitswelt 2030″ diesen wichtigen Fragen nachgegangen.

Deutliches Ergebnis: Unternehmen müssen sich zwangsläufig stärker mit künftigen Arbeitsmarkt-Trends befassen: Fach- und Führungskräftemangel, demographischer Wandel, Globalisierung und Arbeiten über Zeitzonen hinweg, permanente Erreichbarkeit für Kunden, veränderte Wertehaltungen und Lebensweisen der arbeitenden Menschen – all das stellt Firmen vor neue Herausforderungen, um Mitarbeiter langfristig halten zu können. Hinzu kommt: Viele Führungskräfte und Beschäftigte haben Probleme mit der zunehmenden Vermischung von Beruf und Privatleben. Die Raten an psychischen Erkrankungen und Fälle von “Workaholismus” steigen. Es wächst der Druck auf Firmen, ein systematisches Health Care Management aufzubauen.

Im Rahmen der Studie “Zukunft der Arbeitswelt 2030″ ergab eine Expertenbefragung unter Führungskräften zum Thema “Bindung zum Unternehmen”, dass einerseits mit einer wachsenden Anzahl von Freelancern zu rechnen ist, die zum Teil sogar für mehrere Unternehmen tätig sind. Andererseits wird der Trend zur stärkeren Beziehung der Beschäftigten an Unternehmen aufgrund zunehmender politischer und wirtschaftlicher Verunsicherung erwartet.

In einer Studie mit 260 Managern hat Professorin Dr. Ruth Stock-Homburg, Leiterin des Fachgebiets Marketing und Personalmanagement an der TU Darmstadt, zeigen können, dass nicht alle Führungskräfte gleichermaßen in der Lage sind, die Möglichkeiten flexiblen Arbeitens zu Hause oder auf Reisen optimal und kreativ auszufüllen. So wird beispielsweise für perfektionistisch orientierte Führungskräfte die fehlende Trennung zwischen Beruf und Privatleben sehr schnell zum Hemmschuh, wenn sie nicht mehr abschalten können.

“Eine zentrale Herausforderung für Unternehmen liegt also darin, einerseits gewisse Grenzen von Führungskräften und Mitarbeitern im Hinblick auf deren Erreichbarkeit zu akzeptieren. Andererseits müssen die Beschäftigten hinsichtlich der Fähigkeit, mit flexiblen Arbeitszeiten und -orten umzugehen, seitens des Personalmanagements gefördert werden”, erläutert Stock-Homburg.

Selbstmanagement gefordert

Die interdisziplinäre Studie nimmt auch eine zu erwartende neue Zweiteilung der Gesellschaft in den Blick: Einerseits wird es unter den Erwerbstätigen die erfolgreichen “Selbstmanager” geben, die aufgrund immer komplexerer Aufgaben zunehmend mehr Entscheidungs- und Handlungsspielräume haben, an ihren Aufgaben wachsen und psychosozial gesund bleiben. Die Mehrzahl aber wird mehr Schwierigkeiten mit ihrem “Emotionsmanagement” haben – die Wahrscheinlichkeit, von der Arbeit zerrieben zu werden, wird drastisch steigen.

Die Wissenschaftler befassen sich auch mit der Frage, wie man in das rechte Maß zwischen Arbeit und dem schonenden Umgang mit menschlichen Ressourcen findet: Wie viel technische Unterstützung ist sinnvoll und ab welcher Grenze wird zu viel Technik zu einer erhöhten Belastung? Wie lang sollten kontinuierliche Arbeitsblöcke am Tag, in der Woche, im Jahr, im Berufsleben und darüber hinaus minimal und maximal sein? Wie flexibel können und sollten Beschäftigungsverhältnisse sein und welche Standards werden weiterhin benötigt?

Papierorientierte Computerarbeit

Und auch den Aspekt der Arbeitsumgebung greift die Großstudie auf. Klare Aussage: Das papierlose Büro wird vorerst ein Mythos bleiben. Informatiker beschäftigen sich mit “paper centric computing”, also damit, wie Papier-basierte und elektronische Dokumentbearbeitung intelligent kombiniert werden kann. Wie können beispielsweise bewährte Praktiken der papierbasierten Dokumentenarbeit, vor allem in Teams, optimal elektronisch ergänzt werden?

Eine Schlüsseltechnologie sind Computer-bewehrte Kugelschreiber: diese funken das elektronische Abbild des auf Papier Geschriebenen (“electronic ink”) an ein Computernetz im Hintergrund. Neben der elektronischen Tinte werden auch Dokument, Seite, exakte Position, und Zeit des Schreibens erfasst. Technologischer Spitzenreiter sind Pens, die auch kleinstes Gekritzel erfassen.

Die zweite Schlüsseltechnologie ist geeignete Software-Unterstützung. Ein Durchbruch gelang hier, als Entsprechungen von Software-Benutzeroberflächen effizient entwickelt und auf Papier mit ausgedruckt werden konnten. Pens können damit nicht nur zum Beschreiben und Annotieren benutzt werden, ein “Klick” oder Strichzug auf Papier kann nun auch Kommandos bei der elektronischen Hintergrund-Verarbeitung auslösen. Am Fachbereich Telekooperation der TU wurden ethnographische Studien bei universitären Lerngruppen durchgeführt und mit professioneller Wissensarbeit verglichen; auf dieser Grundlage wurden vielfältige hybride Bearbeitungsformen entwickelt, z.B. “Links” zwischen Web-Seiten und Papier.


Weitere Informationen:

http://www.tu-darmstadt.de/vorbeischauen/publikationen/hoch3/

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Jugend taucht ein ins Online-Sozialleben

Anita Arneitz am 2. Februar 2009

Internetseiten für soziales Netzwerken und Foto- bzw. Video-Sharing sind unter den österreichischen Jugendlichen sehr beliebt und enorm bekannt. Dies ist das Ergebnis der Studie „Jugend Online 2008“ der GfK Austria Sozialforschung, die unter 1.200 Jugendlichen zwischen 12 und 24 Jahren durchgeführt wurde. 42 % fühlen sich einer Online Community zugehörig, und fast die Hälfte würde Freunde und Freundinnen, die sie bislang nur Online kannten, auch treffen wollen. Weitere Forschung zu diesem Thema wird nun vom Österreichischen Institut für Jugendforschung durchgeführt, erste Ergebnisse werden im Herbst 2009 vorliegen.

Facebook und YouTube sehr bekannt und beliebt

Was in der bereits vorliegenden Studie der GfK Sozialforschung auffällt ist u. a. die Geschwindigkeit, mit der sich Anwendungen, die es erst seit relativ kurzer Zeit gibt, bei den Jugendlichen durchgesetzt haben: Internet-Anwendungen, die es erlauben, sich mit anderen Usern online zu vernetzen und ohne viel Aufwand eigene Inhalte wie Fotos, Videos oder kurze Texte ins Netz zu stellen (Stichwort: Web 2.0), gibt es erst seit wenigen Jahren (z.B.: YouTube wurde 2005 gegründet, Facebook im Jahr 2004) und haben innerhalb kürzester Zeit enorme Nutzerzahlen erreicht, so auch in Österreich.

9 von 10 österreichischen Jugendlichen kennen öffentlich zugängliche Foto- und Video-Sharing Seiten wie YouTube und fast zwei Drittel nutzen solche Websites einmal monatlich oder öfter. Ähnlich sieht es bei Websites aus, die soziales Netzwerken im Internet ermöglichen (z.B. Facebook oder MySpace): 86 % haben schon einmal von solch einer Website gehört und beinahe die Hälfte der 12- bis 24-Jährigen greift einmal im Monat oder öfter auf eine Website dieser Art zu.


Freundeskreise reichen bis in den Cyberspace

Wie sehr das Internet schon zum Sozialleben von Österreichs Jugendlichen gehört, zeigt sich auch daran, wie sie über das Internet denken: 4 von 10 Jugendlichen stimmen, wenn auch mit unterschiedlichem Nachdruck, zu, dass sie sich einer Online Community, wie sie sich um Diskussionsforen oder Soziale Netzwerk-Seiten bilden kann, zugehörig fühlen.


Internationale Forschungsarbeiten des Österreichischen Instituts für Jugendforschung haben ergeben, dass sich Online Freundeskreise mit den Freundeskreisen, die die Jugendlichen „offline“ im realen Leben haben, überschneiden. Hier zeigt sich, dass Österreichs Jugendliche sehr offen für Online-Begegnungen sind: 48 % würden Freunde/innen, mit denen sie bislang nur Online Kontakt hatten, sogar persönlich treffen wollen. Allerdings, so Dr. Natalia Wächter vom Österreichischen Institut für Jugendforschung, ist davon auszugehen, dass Jugendliche einen guten Teil der Freundinnen und Freunde auf ihren sozialen Netzwerkseiten schon vor dem virtuellen Kontakt aus dem realen Leben gekannt haben. Gerade mittels sozialen Netzwerkseiten wird die Trennung zwischen virtuell und real zunehmend verwischt.

Das Internet hat bereits einen festen Platz im Sozialleben der österreichischen Jugendlichen. Dies gilt besonders für jene Anwendungen, die das Kommunizieren mit Freunden und Freundinnen erleichtern oder neue Formen der Kommunikation ermöglichen. Gerade Plattformen für Soziales Netzwerken (z.B. Facebook oder MySpace) haben hier eine Vorreiterrolle inne. Sie erlauben etwa den Austausch von Kurznachrichten oder Fotos, die Gründung von Gruppen zu bestimmten Themen oder das Gestalten und Versenden von Einladungen zu Events wie Partys, Konzerten oder anderen Veranstaltungen. Der hohe Stellenwert, den Kommunikation mit Freunden/innen für Jugendliche hat, ist nichts Neues. Neu sind aber die Freiräume und Möglichkeiten, die den Jugendlichen heutzutage zur Verfügung stehen um mit ihren Freunden/innen in Kontakt zu treten.

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