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Was zählt Familie?

Anita Arneitz am 31. Dezember 2007
 
 

In kaum einem anderen Land der Welt zählt die Familie so wenig wie in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn erschienen ist (http://ftp.www.iza.org/dp2750.pdf). Demnach sind die familiären Bande lediglich in Litauen noch schwächer als in Deutschland. Die Wissenschaftler untersuchten auch, inwieweit die regional unterschiedliche Rolle der Familie wirtschaftliche Folgen hat. Ihr Fazit: Wo die Familie eine zentrale Rolle spielt, nehmen Frauen weit seltener am Erwerbsleben teil. Gleichzeitig gaben die Bewohner dort an, mit ihrem Leben zufriedener zu sein.

Die Studie von Alberto Alesina und Paola Giuliano, die beide an der US-Eliteuniversität Harvard forschen, analysiert Umfragedaten des “World Value Surveys” aus 78 Ländern. In dieser Umfrage zu Werten und Normen wird unter anderem danach gefragt, wie groß der Stellenwert der Familie für die Befragten ist, wie groß der Respekt gegenüber den Eltern ist und ob Eltern ihr eigenes Wohlergehen zu Gunsten ihrer Kinder zurückstellen sollten. Die Forscher berechneten aus den gegebenen Antworten einen Gesamtwert, der Aufschluss über die gesellschaftliche Stellung der Familie im jeweiligen Land gab. Ergebnis: In Litauen, Deutschland und den Niederlanden sind die familiären Bande am schwächsten, dicht gefolgt von den Ländern Skandinaviens. Besonders wichtig ist die Familie dagegen in Afrika, Asien und Südamerika. Die Formel “reiche Länder = schwache Stellung der Familie” greift jedoch zu kurz: Die Vereinigten Staaten belegen ebenso wie Kanada, Irland oder auch Frankreich einen Platz im Mittelfeld.

Der Untersuchung zufolge sind die familiären Bande in ehemals kommunistischen Staaten auch bald zwanzig Jahre nach der “Wende” immer noch schwächer ausgeprägt als im Westen – Folge der Omnipräsenz staatlicher Regelungen. Insofern kann auch von einer erheblichen innerdeutschen Diskrepanz in dieser Hinsicht ausgegangen werden. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Untersuchung: Zuwanderer werden noch lange Zeit von den familienbezogenen Werten und Normen des Herkunftslandes geprägt und passen sich im Durchschnitt erst über Generationen hinweg den Einstellungen in der neuen Heimat an.

Familie als Ersatz für das soziale Netz

Die Forschungsarbeit geht auch der Frage nach, inwieweit der Familie heute noch die Funktion zugeschrieben wird, soziale Absicherung zu gewährleisten. Die Befragten sollten angeben, ob sie bereit wären, für gut funktionierende soziale Sicherungssysteme höhere Steuern zu bezahlen. “In Ländern mit starken familiären Bindungen wird dies häufiger mit nein beantwortet”, erläutert Paola Giuliano – vermutlich deshalb, weil hier die Familie als “Versicherung” einspringt, wenn ein Familienmitglied Not leidet. Daher besteht für staatliche Sicherungssysteme eine geringere Notwendigkeit.

Zugleich gehen in diesen Ländern Frauen deutlich seltener einer bezahlten Arbeit nach. Stattdessen arbeiten sie häufiger im Haushalt. Ein Grund dafür ist das traditionellere Rollenverständnis: Befragte aus Nationen, in denen die Familie einen besonders hohen Stellenwert hat, billigten Männern eher als Frauen das Recht zu, einer Arbeit nachzugehen. Außerdem gaben sie öfter zu Protokoll, es gehe zu Lasten der Kinder, wenn deren Mütter arbeiteten. Deutschland fällt in diesem Punkt übrigens aus dem Rahmen: Hierzulande arbeiten vergleichsweise wenige Frauen – weniger sogar als in Kanada oder selbst Uganda, wo die Familienbande viel stärker sind. Das dürfte auch auf die Auswirkungen der deutschen Sozial- und Familienpolitik zurückzuführen sein.

Sind Familienmenschen glücklicher?

Ein starker Familienzusammenhalt scheint im Übrigen glücklich zu machen: “Wo die Familie eine zentrale Rolle spielt, geben die Bewohner im Schnitt deutlich häufiger an, mit ihrem Leben sehr zufrieden zu sein”, schreiben die Autoren der Untersuchung, die beim Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit kostenlos erhältlich ist: A. Alesina/P. Giuliano, The Power of the Family (IZA Discussion Paper 2750).

 

Wer die Studie im Netz nachlesen möchte, kann dies unter http://ftp.www.iza.org/dp2750.pdf

 

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Bei Alpen denken Deutsche an Winter

Anita Arneitz am 29. Dezember 2007
 

Trotz hervorragender Angebote im Wellness- und Gesundheitsbereich kommen die Alpen von ihrem Image als Wintersportregion kaum los. Das ist das erste Ergebnis einer Studie, die die Fakultät für Tourismus der Fachhochschule München im Rahmen des EU-Projekts ALPSHEALTHCOMP durchführt.

Kaum eine Region Europas kann dem Alpenraum in punkto Wellness und Gesundheit das Wasser reichen: Höhenluft, Reizklima und eine Vielfalt an Thermal- und Mineralquellen ziehen schon seit Jahrhunderten Kurgäste und Sommerfrischler an; Traditionsbäder mit einer Geschichte von 150 und mehr Jahren sind nicht selten. Doch heutzutage spielen Gesundheit und Wellness in der Region nur noch eine vergleichsweise kleine Rolle – in den Köpfen der Verbraucher ebenso wie bei den Umsätzen: Schätzungen zufolge machen sie weniger als 15 Prozent der Tourismus-Einnahmen in der Region aus. Dabei sind die Bergfreunde Bädern und Massagen durchaus zugeneigt: Gut jeder fünfte (21,6 %) derjenigen, die in den vergangenen fünf Jahren in den Alpen Urlaub gemacht haben, hat sich im selben Zeitraum auch einen Gesundheits- oder Wellnessurlaub gegönnt; unter den Nicht-Alpenurlaubern war es nur gut jeder zehnte (11,6 %). Das liegt den Münchner ForscherInnen zufolge auch daran, dass sowohl Alpen- als auch Wellnessurlaube eher teuer sind und daher ein relativ zahlungskräftiges und gut gebildetes Publikum anziehen.

Doch in den Köpfen der 1607 Deutschen, die Marplan im Auftrag der Münchner Fakultät für Tourismus telefonisch befragt hat, gehören die beiden Arten der Erholung nicht unbedingt zusammen. So kam die Untersuchung zu dem nach Ansicht des Projektteams erschreckenden Ergebnis, dass deutsche Verbraucher beim Thema “Alpen und Urlaub” neben der Landschaft vor allem an den Winter denken: 59,1 Prozent assoziierten Berge und Gletscher damit, 39,3 Prozent fiel zum Thema sofort der Begriff Winterlandschaft ein, und am dritthäufigsten wurde der Wintersport (32,9 Prozent) genannt. Erst an vierter Stelle folgte der Sommersport; Gesundheit und Wellness tauchten unter den 25 häufigsten Themen gar nicht auf.

“Damit dürfe sich die Alpenregion nicht zufrieden geben”, meint Projektleiter Professor Thomas Bausch. Denn in den traditionellen Sparten bestünden angesichts der alternden Gesellschaft Europas kaum mehr Wachstumspotenziale; zudem brächten Wellness- und Gesundheitstouristen mehr Wertschöpfung als reine “Urlauber”. Dazu kommt, dass der fortschreitende Treibhauseffekt den Wintersport in den Alpen zunehmend bedroht. “Vor dem Hintergrund des Klimawandels bestätigt sich ein Handlungsbedarf, die Themen Gesundheit und Wellness ebenso wie Bergsommer wiederzubeleben”, schreiben die Autoren der Studie. “Regionen und Anbieter müssen die Winterlastigkeit, die ja durch die Wintersportberichterstattung und Großevents ständig erneuert wird, aufbrechen und Alternativen transportieren”, sagt Bausch. “Das geht nur über Events und Kommunikation. Der ‘Bergdoktor’ reicht dafür nicht.”

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Therapie im Chatroom

Anita Arneitz am 29. Dezember 2007
 

Nur selten bekommen Patienten unmittelbar nach dem Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik einen ambulanten Behandlungsplatz zur Psychotherapie in ihrem Heimatort – zumindest in Deutschland. Eine Alternative bietet dann “E-Health” mit neuen Medien: Per Chat, E-Mail oder SMS halten die Therapeuten Kontakt zu ihren Patienten und bauen so eine Brücke zwischen Klinikaufenthalt und Alltag – mit großem Erfolg.

Selbsthilfe-Treffen einmal pro Woche im Chatroom

Die Heidelberger Experten ermöglichen seit 2001 ehemals stationären Patienten gemeinsam mit den Panorama-Fachkliniken in Scheidegg (Allgäu) und der Techniker-Krankenkasse, über eine “Internetbrücke” den Kontakt zum Therapeuten und anderen ehemaligen Patienten zu halten. Das Ganze funktioniert als Gruppen- und als Einzeltherapie – per Chat oder E-Mail. Ähnlich wie bei einer Gruppentherapie treffen sich die ehemaligen Patienten, die z.B. aufgrund von Depressionen, Angst-, Persönlichkeits- oder Essstörungen stationär behandelt wurden, einmal pro Woche im Chatroom und berichten dort von ihren Problemen und Fortschritten. Ein Therapeut aus der Klinik moderiert den Chat und sorgt dafür, dass sich die acht bis zehn Teilnehmer an die vorher vereinbarten Regeln halten. Insgesamt zwölf bis fünfzehn Wochen dauert die virtuelle Gruppentherapie.

Patient schildert per E-Mail seine seelische Verfassung

Ganz ähnlich funktioniert die E-Mail-Therapie – nur kommt es hier lediglich zum Austausch zwischen einem Patient und Therapeut: Der Patient schreibt E-Mails über seine seelische Verfassung, der Therapeut antwortet verlässlich darauf, meist innerhalb eines Tages. “Manche schreiben sich da richtig etwas von der Seele”, sagt Markus Wolf, Mitarbeiter von Dr. Kordy. Da viele Mails und Chats im Internet zu leicht von außen einzusehen sind, haben die Heidelberger eine besonders sichere Plattform entwickelt, auf die nur berechtigte Teilnehmer Zugriff haben.

Reine Internet-Therapie ist in Deutschland nicht erlaubt

Doch wie zuverlässig funktioniert eine Therapie per Internet? Fehlt den Patienten nicht der direkte Kontakt zum Therapeuten – die Körpersprache und der Gesichtsausdruck eines Gegenübers? “Wir haben gute Erfahrungen gemacht”, sagt Dr. Kordy. “Die Teilnehmer kommen mit den neuen Medien zurecht und vermissen die ‘nonverbalen Signale’ des Therapeuten überhaupt nicht.” Selbst ältere Patienten ohne Computererfahrung lernen schnell den Umgang mit dem System. Dennoch soll die virtuelle Therapie den persönlichen Kontakt zum Therapeuten nicht vollständig ersetzen, denn im Gegensatz etwa zu den Niederlanden, ist es in Deutschland nicht erlaubt, reine Internettherapien ohne vorherigen persönlichen Kontakt zum Therapeuten durchzuführen.

Rückenschmerzen: Fragebogen im Chatroom erinnert an Verhaltensänderung

Dr. Eva Neubauer, Psychologin an der Orthopädischen Universitätsklinik in Heidelberg, hat neue Medien bei Rückenschmerzpatienten eingesetzt: Bei diesen spielen oft psychische Faktoren eine große Rolle, daher arbeitet auch Neubauer nach der Entlassung aus der Klinik mit einem Chat. “Wenn chronische Rückenschmerzen besser werden sollen, braucht man langfristig eine Verhaltensänderung im Alltag, zum Beispiel mehr Entspannung, mehr Bewegung oder dass die Patienten abnehmen”, sagt Neubauer. Ob die Patienten ihr Verhalten geändert haben, kann sie anhand des Fragebogens überprüfen, den die Teilnehmer vor Betreten des Chatrooms ausfüllen. Der Chat selbst funktioniert ähnlich wie das Projekt mit den Panorama-Fachkliniken. “Die Patienten wohnen oft weit voneinander weg und würden sonst nicht mehr zusammenkommen”, schildert Neubauer die Vorteile des Verfahrens.

Auch bei der Prävention von Essstörungen hat die Heidelberger Forschergruppe mit dem elektronischen Medium gute Erfahrungen gemacht: Speziell für Studenten haben die Wissenschaftler eine Internetplattform entwickelt: Es(s)prit. Auf dieser können sich Interessierte informieren, wie wahrscheinlich es ist, dass sie selbst an einer Essstörung erkranken oder ob sie bereits daran erkrankt sind. In einem Forum können sie sich zu verschiedenen Themen austauschen und sich ebenfalls in einem Gruppen- oder Einzelberatungschat mit anderen Betroffenen oder einem Berater treffen.

SMS gegen Essstörungen

Doch es geht noch mobiler: Die Psychologin Dr. Stephanie Bauer berichtete bei einer Konferenz, wie sie Patientinnen mit Essstörungen per Kurzmitteilung vom Handy betreut: Ihre Schützlinge verschicken wöchentlich eine SMS über ihr Essverhalten, etwa wie oft es zu Essanfällen kam oder wie oft sie sich erbrochen haben. Daraufhin versendet der Computer automatisch eine passende, aus einem Pool von mehr als 1.000 verschiedenen Standardmitteilungen ausgewählte Antwort. Damit Zusatzinformationen, wie etwa Warnsignale über gravierende Verschlechterungen, nicht übersehen werden, überprüft eine studentische Mitarbeiterin alle Kurzmitteilungen beim Eingang und vor dem Versenden.

Der Erfolg gibt den Heidelbergern recht: “In der Regel gibt es bei Patientinnen mit Essstörungen hohe Therapieabbruchquoten um die 50 Prozent. Bei uns arbeiten etwa 90 Prozent über ein halbes Jahr mit”, so Dr. Kordy.

Weitere Informationen zu “E-Health” am Universitätsklinikum Heidelberg:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/E-Health.7355.0.html?&FS=0&L=

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Text-Feedback-Service startet

Anita Arneitz am 27. Dezember 2007

Ab sofort müssen Sie keine Angst mehr vom leeren Blatt haben oder stundenlang über Ihren Texten brüten. Warum? Immer wieder äußern meine Seminar-TeilnehmerInnen den Wunsch öfter konstruktives Feedback auf ihre Texte zu erhalten. Daher dachte ich mir, ich installiere ein Text-Feedback-Service.

Senden Sie mir einfach Ihre Texte (Briefe, Pressemitteilungen, Werbetexte…) per E-mail. Ich lese sie gegen und senden Ihnen so rasch wie möglich ein Feedback mit Anregungen wie Texte präszisiert oder überarbeitet werden können. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Rechtschreibung, es geht primär um den Textaufbau und die Verständlichkeit.

Für meine Seminar-TeilnehmerInnen ist das Text-Feedback-Service kostenlos. Damit ich aber mit Texten nicht “überschwemmt” werde, muss ich bei allen anderen leider einen kleinen Unkostenbeitrag einheben…

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Weniger Ich, mehr Wir?

Anita Arneitz am 25. Dezember 2007

“Weniger Ich – mehr Wir” – so lautet eine der neuen Grundorientierungen der Deutschen, wenn es nach der neuen Studie “Delphi2017 – Was Menschen morgen bewegt”, von der GIM, der Gesellschaft für innovative Marktforschung in Heidelberg, geht. Anhand der Studie wurden fünf zukunftsrelevante Grundorientierungen identifiziert, die in den nächsten zehn Jahren für Lebensbereiche wie Gesundheit, Bildung, Arbeit und Familie prägend sein werden:

1. Managing “Dutility”: Funktionieren im System
2. Living Substance: Zurück zum Wesentlichen
3. Embedding Individuality: Weniger Ich – mehr Wir
4. Creating “Lifeholder Value”: Gestalten und Partizipieren
5. Engaging in a Sane Society: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung

Die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts waren von Individualisierung, Differenzierung und Pluralisierung geprägt. Nun sind die Menschen in Deutschland bereit, sich auf soziale Gemeinschaften einzulassen und ihre Ansprüche an die individuelle Selbstverwirklichung zurückzufahren (Embedding Individuality). Zugleich tritt die soziale Verantwortung wieder in den Vordergrund. Diese ist jedoch frei von Sozialromantik. Vielmehr erscheint sie in Kombination mit konkreten Hoffnungen auf persönliche Benefits (Enganging in a Sane Society). “Besonders die bürgerliche Mitte wird sich um das Thema ‘Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung’ neu konstituieren”, lautet ein Resümee der GIM-Forschern Dr. Kerstin Ullrich und Dr. Christian Wenger. Das Thema “Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung” bietet der von Globalisierung und Reformen gebeutelten Mitte die Chance, eine neue Identität zu entwickeln.

Als weitere Grundorientierung haben die GIM-Forscher das Funktionieren im System (Managing “Dutility”) identifiziert. Dies bezeichnet eine große gesellschaftliche Herausforderung, die jeden einzelnen und alle Schichten der Gesellschaft betrifft: Immer mehr Lebensbereiche müssen in immer weniger Zeit erledigt, organisiert und synchronisiert werden, das Leben ist vollgepackt mit Verpflichtungen, Ansprüchen und Anforderungen. Die frei zur Verfügung stehende Zeit schrumpft. Die Lebensform “Work Versus Life” wird zu “Multi-Duty-Life”, in dem “Just in-Time” und “Always On” zum Alltag gehören. Das Leben wird zunehmend bestimmt von konsequenter Nutzenorientierung und Effizienzsteigerung. Die Folge: Der Raum für Individualität und Selbstverwirklichung schrumpft.

Der kleiner werdende Freiraum ist ein wichtiger Auslöser für die weitere Grundorientierung “Zurück zum Wesentlichen” (Living Substance). Die Menschen werden sich wieder stärker nach innen richten, so die GIM-Forscher. Es wird ihnen bewusst, dass sie mit ihren Kräften haushalten müssen. Und sie stellen sich deshalb die Frage, was in ihrem Leben wichtig und wesentlich ist. Sie sehnen sich nach Sicherheit, Orientierung und Verlässlichkeit. Hinzu kommt der Wunsch, das eigene Leben stärker in die eigene Hand zu nehmen. Es findet eine Änderung der Einstellung statt: vom Akzeptieren der auferlegten Eigenverantwortung (Rückzug des Staates) und der Verpflichtungszwänge zu einer selbstbestimmten Eigenverantwortung. Als Mitglieder der Gesellschaft wollen die Menschen wieder stärker gestalten und partizipieren, weniger in traditionellen Formen des Engagements (Vereine, Kirche), sondern punktuell und situativ. Sie sind dabei geleitet sowohl von persönlichen als auch beruflichen Interessen (Creating “Lifeholder Value”). Partizipieren heißt heute schon, mit anderen etwas zu bewegen und zugleich in eigener Sache zu handeln.

An der Studie “Delphi2017 – Was Menschen morgen bewegt” haben mehr als 40 Experten aus Deutschland und sechs weiteren Ländern mitgewirkt. Die Ergebnisse dieser Prognosen basieren auf einer zweistufigen qualitativen Befragung. Weil die Werteentwicklungen international verglichen wurde, entstand ein Bild des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland, Russland, USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien für den Zeitraum der nächsten zehn Jahre. Aus den fünf Grundorientierungen haben die Experten die Anforderungen für zukunftsorientiertes Marketing abgeleitet. Unter anderem müssen Unternehmen und Marken in Zukunft auf Kontinuität und Wiedererkennbarkeit setzen und müssen stärker Teil sozialer Gemeinschaften werden.

Das Buch zur Studie erscheint im April 2008 im Verlag Redline Wirtschaft unter dem Titel “Visionen2017 – Was Menschen morgen bewegt”. Autoren sind Dr. Kerstin Ullrich und Dr. Christian Wenger, GIM Heidelberg.

Tipp: Das Exzerpt zur Studie erhält man auf Anfrage bei gim@talisman-pr.de oder R.Gaber@g-i-m.com im pdf-Format.

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Ghost-Blogging

Anita Arneitz am 25. Dezember 2007

Als bloggender Frischling betreibe ich natürlich Marktforschung und schaue mir sämtliche andere Blogs an. Und eines ist mir immer wieder aufgefallen: viele Blogs werden selten gewartet, die Pausen zwischen den Beiträgen sind extrem lang und allzu oft entschuldigt sich der Blogger für seine Bloggerpause. Da wundert es mich ja glatt, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist Ghost-Blogging anzubieten. Ähnlich wie beim Ghostwriting kümmert sich ein schreibender Ghost um regelmäßige Einträge und Wartung. Eine gute Geschäftsidee? Nein, definitiv nicht. Wäre ja nicht der Sinn der Sache. Schließlich geht es ja beim Bloggen um selbstgestaltete Inhalte. Daher es führt kein Weg vorbei, selbst in die Tasten zu hauen. Aber für jemanden der gerne bloggt/schreibt, dürfte das kein Problem sein. Denn zum Schreiben gibt es immer was…

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Weihnachtsgrüße

Anita Arneitz am 23. Dezember 2007

Haben Sie heuer Weihnachtspost bekommen? Handgeschrieben? Oder per E-mail? Ja, und haben Sie sich schon dafür bedankt? Nein? Naja, ein wenig Zeit haben Sie ja noch dafür. Ich finde es gehört zur guten Weihnachts-Etikette, wenn man sich für die Weihnachtskarte bedankt. Denn schließlich hat sich der Schreiber extra Zeit genommen, um nette Weihnachtsgrüße zu formulieren – selbst wenn die Grüße auf dem elektronischen Wege verschickt worden sind. Ich habe heuer viele, liebevoll gestaltete Weihnachtskarten bekommen (angefangen von selbst gestalteten Weihnachtsdreiecken bis hin zur klingenden Weihnachtspost). Ich weiß Eure Mühe zu schätzen und möchte mich auf diesem Wege noch mal herzlich bei Euch bedanken! Ich wünsche Euch allen erholsame Weihnachtsfeiertage und ein erfolgreiches Jahr 2008!

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Religion und Unternehmertum

Anita Arneitz am 23. Dezember 2007

Gerade zu Weihnachten ein passendes Thema: Religion und Unternehmertum.Die Bedeutung von Religionen für die wirtschaftliche Entwicklung von Ländern und das ökonomische Handeln von Individuen wurde bereits vor über hundert Jahren von Max Weber in seiner These vom Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Erfolg und protestantischer Arbeitsethik betont. In der volkswirtschaftlichen Forschung wurde dem Thema Religion lange Zeit jedoch kaum Beachtung geschenkt. Erst in jüngster Zeit ändert sich dies. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps zum Beispiel hat kürzlich hervorgehoben, dass Werte und Einstellungen genauso relevant für die Wirtschaft sind wie Institutionen und Politik (”values and attitudes are as much a part of the economy as institutions and policies are. Some impede, others enable”). Neueren empirischen Studien zufolge besteht ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Religiösität und wirtschaftlichen Wachstum.

In einer aktuellen Studie untersuchen David B. Audretsch, Werner Bönte und Jagannadha Pawan Tamvada vom Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena wie sich ein bestimmter Glaube bzw. die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion auf die Wahrscheinlichkeit auswirkt, selbst unternehmerisch tätig zu werden. Datenbasis der empirischen Studie waren die Daten von fast 90 000 Erwerbspersonen in Indien. Das Ergebnis der ökonometrischen Analyse, in der neben der Religion auch die Einflüsse von Ausbildung, Geschlecht und anderen Merkmalen berücksichtigt wurden, bestätigt die Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit, selbst unternehmerisch tätig zu werden, von der Religion beeinflusst wird. Dem Ergebnis der Studie zufolge haben Hindus insgesamt eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit, selbst unternehmerisch tätig zu werden, Christenten und Moslems dagegen haben – in Indien – eine höhere Wahrscheinlichkeit, ein eigenes Unternehmen zu gründen. “Der Einfluss des Hinduismus und des ihm immanenten Kastensystems auf das tägliche Leben und die soziale Stellung des Einzelnen ist enorm, auch wenn es “Unberührbare” laut Gesetz nicht mehr gibt”, sagt J. P. Tamvada über sein Heimatland. Dies belegt auch die Studie. So sind es die Angehörigen der unteren Kasten, die von allen Gruppen die geringste Wahrscheinlichkeit haben, sich selbstständig zu machen.

Für den deutschsprachigen Raum liegt eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Religion und unternehmerischer Tätigkeit mit aktuellen Daten untersucht, nicht vor. Dass jedoch selbst in westlichen Ländern wie Deutschland die Religion beträchtlichen Einfluss auf die Wirtschaft haben könnte, lässt der neu erschienene Religionsmonitor 2008 der Bertelsmann-Stiftung vermuten. Danach sind 70 Prozent der Deutschen religiös, 20 Prozent gelten sogar als hochreligiös.
Die Studie liegt in der JERP(Jena Economic Research Papers)-Reihe vor, die gemeinsam von Max-Planck-Institut für Ökonomik, Jena und der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena herausgegeben wird. Link zum kostenlosen Download hier.

 

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Klinikblog

Anita Arneitz am 23. Dezember 2007

Vor kurzem startete unter Stationsservice ein Diskussionsforum fürs Gesundheitswesen. Hier können alle am Strukturwandel Beteiligten ihre Meinungen, Kommentare und Erfahrungen über Veränderungen öffentlich diskutieren. Ziel ist es, über einen offenen Dialog das Bewusstsein für neue Wege in der Versorgung in Krankenhäusern und Kliniken auf- und auszubauen. Die wirtschaftlichen Herausforderungen, denen sich Krankenhäuser derzeit stellen müssen, sind ohne grundlegende unternehmerische Entscheidungen nicht zu meistern. Um die Patientenorientierung auf den Stationen zu erhöhen, bietet ein deutsches Unternehmen einen „Stationsservice“ an: Speziell geschulte Servicekräfte arbeiten auf den Krankenstationen Hand in Hand mit dem Pflegepersonal und kümmern sich um das Wohl der Patienten. Themen des Gesundheitswesens gehören öffentlich diskutiert und dazu bietet der neue Klinikblog in Deutschland einen kleinen Einblick in die Aspekte des Strukturwandels. Man wird sehen, ob wir uns von den Deutschen ein paar Ideen abkupfern können… Der Klinikblog „Stationsservice“ ist zu erreichen unter http://www.stationsservice.de

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Gesucht: Bloggerinnen!

Anita Arneitz am 20. Dezember 2007

Beim Blog-Lesen bin ich über einen Artikel gestoßen, der mich im ersten Moment überrascht hat und im zweiten Moment dann doch nicht. Demnach sei die Blogwelt noch immer männlich. Wie in in vielen Bereichen gibt es zwar genug Frauen, die bloggen, aber sie sind in den Rankings nicht auf den ersten Plätzen vertreten. Sie sind im Web nicht so sichtbar wie ihre männlichen Kollegen. Daher fand ich es eine tolle Idee, bloggende Frauen vor den Vorhang zu holen. Ich selbst kenne in meinem Umfeld keine bloggende Frau. Außer eine Mutige, die einen Blog zusammen mit einem Kollegen betreibt. Ich finde das Thema brennend interessant und starte jetzt mal einen Aufruf: Wenn sich genügend Kärntner bzw. Österreichische Bloggerinnen bei mir melden, schreibe ich einen Artikel über die weibliche Blogosphäre. Bin schon gespannt auf Reaktionen und bleibe am Thema dran!

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